Fallen Lands

Elfen in Kapuzen beim Händler

by on Mrz.01, 2009, under Elfen

Elfe mit KapuzeSeltsam war ihr zumute als sie durch die Straßen schritt und fast schien es ihr als würden alle Blicke nur auf ihr ruhen. Die Kapuze ihres Umhangs hatte sie über den Kopf gezogen, so dass zumindest ihre Ohren nicht zu erkennen waren, doch ihre feinen Gesichtszüge schimmerten immer noch unter ihr hervor. Sie zog den Mantel noch ein wenig enger um sich und richtete den Blick zu Boden, während sie sich einen Weg durch das Gewirr auf den Straßen bahnte. Was hatte sie nur bewogen, sich zum Markttag in die Stadt zu begeben, noch dazu ohne Begleitung?! Kurz in die Ferne blickend, wo der Wald zu sehen war, seufzte sie auf und stockte. Wie einfacher schien es doch, einfach zurückzugehen und ihr Vorhaben aufzugeben. Doch bei der Erinnerung an die Lage im Dorf verwarf sie diese Gedanken wieder. Auch wenn es ihr nicht sonderlich gefiel: Sie brauchten dringend Salz vor dem nahenden Winter und hier bei den Menschen war der einzige Ort, an dem man es in größerer Menge erhalten konnte.
Langsam schritt sie unter solcherlei Gedanken weiter, die Hände in den Saum ihres Umhanges gekrallt und immer in Sorge, dass man entdecken könne, wer sie war. Denn nicht jeder empfand Freundschaft für die Auelfen, wie sie wußte. Schließlich aber hatte sie es geschafft und vor ihr tauchte einer der wenigen Stände auf, die das begehrte Gut verkauften. Ihre rechte Hand löste sich vom Saum des Umhangs und glitt über den Stoff hinab, bis sie einen Beutel ertastete. Bis an den Rand mit Gold gefüllt war dieser. Gold… Noch immer verstand sie nicht vollständig, warum die Menschen dieses Metall so sehr begehrten. Es hatte doch keinen Wert: Weder würde es sie in kalten Zeiten wärmen, noch konnten sie es essen oder damit jagen. Nur zum Tausch schienen sie es zu benutzen und manchmal schienen sie sich gar nicht davon trennen zu können. Sie horteten es, schienen es fast zu verehren, wenngleich sie noch nicht ganz so seltsam wie die Zwerge darin waren.

Die Warteschlange vor dem Stand war immer kürzer geworden, so dass sich nur noch ein weiterer Kunde vor ihr befand. Doch dann war auch dieser fort und die Augen des Händlers richteten sich auf sie und schienen sie fast endlos mustern zu wollen. Dann lächelte der Händler: „Und was kann ich für euch tun, gute Frau?“ Die angesprochene stutzte, zuckte zusammen und wäre am liebsten gegangen. Doch sie blieb und stockend kamen die Worte aus ihrem Mund – stockend, doch von einer äußerst melodischen Stimme getragen. „Ich.. möchte Salz kaufen.“ Sie blickte den Händler abwartend an, der knapp nickte: „Und wieviel, schönes Fräulein.“ Sie blickte an ihm vorbei um die Auslagen zu betrachten und stutzte wieder, so dass der Händler sich rasch halb zum Stand wandte und eilte zu beteuern: „Es ist vorzügliche Qualität. Ihr werdet begeistert sein.“ Mit diesen Worten hielt er ihr einige Körner hin, welche sie sich in die ausgestreckte und nach oben hin geöffente rechte Hand streuen ließ. Nachdem sie gekostet hatte, nickte sie leicht und betrachtete die Säcke, welche sie am Stand liegen sehen konnte. „Ist dies alles, was ihr habt?“ Erstaunlich schnell hob der etwas dickliche Händler die Arme: „Aber keineswegs. Seid versichert, dass ich noch über weit mehr verfüge, als diese bescheidenen Auslagen vermuten lassen. Doch dies ist in meinem Lager in der Stadt.“ Auch die junge Frau, welche immer noch ihre Kapuze trug, nickte nun sacht. „Was verlangt ihr für 10 Säcke dieser Größe?“ Bei diesen Worten deutete sie auf einen der größeren Säcke. Kurz blickte der Händler in diese Richtung und wandte sich dann wieder ihr ihr. Sie fröstelte leicht, als seine Augen noch einmal abschätzend ihre Gestalt musterten, und als sie den funkelnden Blick in den Augen des Händlers bemerkte, seufzte sie leise. Eindeutig sprach die Gier nach dem goldenen Metall aus seinen Augen. So gut es ging, verdeckte sie ihre Abscheu, die sie dafür empfand, und blickte ihn abwartend an. „10 Säcke dieser Größe… Das ist nicht gerade wenig.“ Sie hatte solche oder ähnliche Worte erwartet und ahnte, worauf der Händler hinauswollte. Missmutig zog sie den prall gefüllten Beutel voll Gold unter ihrem Umhang hervor und ließ den Händler einen Blick hineinwerfen. „Ist dies genug?“ Ruhig und gelassen klang ihre Stimme, doch insgeheim hoffte sie, dass es genug war und er sich damit, vielleicht ja sogar mit weniger, zufriedengeben würde. „Das.. oh ja.. Das ist genug.“ Das gierige Gesicht des Händlers schien nicht auf Bescheidenheit hinzudeuten, so dass sich die junge Frau beeilte zu versichern: „Ihr erhaltet es, wenn ihr die Säcke zur Brücke am Nordtor liefert.“ Rasch zog sie bei diesen Worten, den Beutel zurück, verschnürte ihn gut und hing ihn unter ihrem Umhang wieder an den Gürtel. „Wir werden die Waren zur 17. Stunde abholen“; waren ihre letzten Worte, bevor sie sich umwandte und so rasch sie vermochte vom Marktplatz verschwand. Vor den Stadttoren angekommen, atmete sie zunächst tief durch, ging dann in aller Ruhe den Weg entlang und bog schließlich in den Wald ab. Erst hier warf sie auch wieder die Kapuze zurück, während sie sich noch einmal halb in die Richtung zur Stadt umwandte. Sie mochte die Märkte der Menschen keineswegs, doch nach allem was geschehen war und nach dem Unheil, welches die Auelfen heimgesucht hatte, war dies eine der letzten Möglichkeiten, wo die wenigen, die den Angriff der Drow überlebt hatten, sich noch versorgen konnten.

Drow mit Elfe im KampfDie Drow. Seit dem Tag des ihres Angriffes, änderte sich alles. Sie waren so schnell über das Elfendorf gekommen, dass keine Zeit mehr blieb, noch etwas zu retten. Nur ein knappes Dutzend aus dem alten Lager im Wald von Vesper hatte überlebt; gerade einmal ein halbes Dutzend kam aus dem Wüstenlager, ein weiteres Dutzend aus den Waldlagern im Yewwald und noch einmal ein Dutzend aus dem Dorf. Aus letzterem drangen auch die meisten Gerüchte. Stimmten die Berichte der letzten Bewohner, die geflohen waren, so waren einige der Auelfen auch zu den Hochelfen entkommen. Über die Anzahl jedoch konnte niemand eine Auskunft geben. Zu groß war das Chaos gewesen und zu lange waren sie selbst in den sonst so sicheren Wäldern verfolgt worden.
Es war eine wahre Hetzjagd gewesen, bevor der Wind die vertrauten Töne zu ihrer Sippe getragen hatte. Ein einfühlendes Lied klang im Wind, überwand Berge, Täler und die herbstlichen Wälder, um seine Botschaft zu verkünden. Das Rauschen der Blätter trug die Nachricht ebenso weiter wie das Rauschen der See bis es an die Ohren jener dringen sollte, für die es bestimmt war. Die junge Elfe wußte nicht mehr, wer es nun genau gesungen hatte, doch hatte es sein Ziel erreicht. Aus allen Gebieten und ihren versteckten Zufluchtsorten kamen die überlebenden Elfen zusammen, um gemeinsam an einem sicheren Ort das neue Dorf zu gründen. Jenes Dorf, welches ihnen neue Hoffnung für einen Neubeginn geben sollte. Mochten die Drow auch die erste Schlacht gewonnen haben, so war der Wille der Auelfen doch längst nicht gebrochen.

Seufzend blickte die junge Elfe umher und beobachtete nun den Aufbau dieses neuen Dorfes. Eifrig arbeiteten die meisten Elfen an den neuen Hütten, welche ihnen vor dem nahenden Winter Schutz bieten sollten. Vieles war fertig, doch vieles fehlte auch noch. Und allem Anschein nach schienen vor der kalten Jahreszeit bei weitem nicht alle erforderlichen Hütten stehen. Krieger konnte sie bei dieser Arbeit nicht entdecken, doch wußte Delaya, dass diese nicht fern sein konnten und auch wenn sie nicht beim Aufbau der Häuser halfen, war ihre Aufgabe doch ebenso wichtig wie die der anderen. Denn nach allem was geschehen war, waren sie als Wachen ausgeschickt worden um das neue Dorf zu schützen und befanden sich nun so gut im Unterholz versteckt, dass sie selbst für elfische Augen schwer zu entdecken waren.

Unter solcherlei Gedanken schritt sie weiter auf eines der Lagerfeuer zu, an dem eine Gruppe ihre Ankunft schon erwartet zu haben schien, denn sogleich erhob sich einer der Elfen und blickte sie mit fragender Miene an. „Ich habe alles erhalten“, beeilte sie sich zu versichern. „Wir können es bald abholen.“ Der Elf nickte knapp und schritt mit 2 anderen, welche sich ebenfalls erhoben, zu den Pferden, welche in der Nähe grasten. Kurz darauf führten sie auch schon unter Führung Delayas – so hieß die Elfe – die Pferde an reich verzierten Halftern gen Vesper. Die Spuren, welche die Hufe der unbeschlagenen Pferde verursachten, waren so schwach, dass sie allenfalls den scharfen Auen der Elfen auffielen und so würde wohl niemand auf den Gedanken kommen in das verlassene Waldgebiet einzudringen.

Es mochte wohl eine Stunde raschen Marsches vergangen sein ehe sie die Tore der Stadt erreichten. Ein Blick gen Himmel und die leere Straße vor ihnen belehrte die Elfen dann auch sogleich, dass sie mehr als pünktlich waren. So ließen sie sich auch in aller Ruhe abseits vom Weg im Gras nieder, zogen etwas Wegzehrung hervor oder aber ruhten sich einfach aus. Keinesfalls ließ dabei aber ihre Aufmerksamkeit nach, und auch wenn es so schien als wären sie vollkommen entspannt, lagen ihre Bögen doch stets griffbereit. Ihr Lager hatten sie dabei so gewählt, dass es zwar ihnen möglich war, das Stadttor zu beobachten, jeder aber, der hinauskam die Gruppe nur schwer bemerken würde.
Wohl anderthalb Stunden später, die Sonne senkte sich bereits über den Horizont, erschienen der Händler schließlich mit einem Gehilfen und Packtieren am Stadttor. Amrundel, einer der Elfen, welche die Packtiere geführt hatten bemerkte sie zuerst und wies mit dem Kopf zum Stadttor, während er sich stumm erhob und zu seinem Packpferd ging. Schweigend taten es die anderen Elfen ihm gleich, warfen ihre Kapuzenmäntel über und ließen Delaya, welche schon mit dem Menschen gesprochen hatte, den Vortritt. Diese allerdings blickte noch einmal wenig überzeugt in die Runde, schritt aber dann langsam vor, während die anderen einen angemessenen Abstand zu den Menschen hielten.
So zögernd Delaya nähertrat, so forsch trat der Händler auf, welcher – den Blick erwartungsvoll auf den Umhang gerichtet hielt – auf sie zueilte und zu den Packtieren deutete. „Wie ihr wünschtet, meine Dame. Dort sind eure Waren. Und seid versichert: Für euch habe ich nur meine besten Waren aus dem Lager geholt.“ Zögernd wich die Angesprochene für einen Moment zurück und stockte. Dann aber nickte sie leicht, deutete auf die Tiere und blickte den Händler fragend an: „Darf ich die Säcke sehen?“ Wenngleich ihre Stimme ausgesprochen melodisch fast engelgleich klang, so konnte dies doch nicht gänzlich die Unsicherheit verbergen. Der Händler jedoch schien es nicht zu beachten, schien gefangen vom Klang der Stimme, so dass er rasch nickte, einen der Säcke herabzog und mit jovialem Lächeln vor ihr öffnete: „Entspricht dies euren Wünschen?“ Die Antwort war ein leichtes Nicken, gepaart mit einem sanften Lächeln. „Seid versichert, dass die anderen Säcke ebensolche Qualität und Menge erhalten. Ihr werdet zufrieden damit sein. Die Ware ist ihr Gold wert.“ Fest richteten sich die Augen der Elfe bei diesen Worten auf sein Gesicht, besonders seine Augen, welche ein gieriges Funkeln zeigten, das sein Lächeln zu einer Karikatur werden ließ. Entweder, so schien es ihr, belog sie der Händler über den Wert der Säcke oder aber sie hatte tatsächlich zuviel für die Ware geboten. „Zeigt mir doch bitte noch die restlichen Säcke.“ verführerisch klang die Stimme und schwerlich konnte man dem bittenden Blick der Elfe widerstehen. So zog der Händler einen Sack nach dem anderen von den Packtieren, ließ sie einen Blick hineinwerfen und legte die Säcke dann auf der Mitte des Weges zwischen ihm und den Elfen bei den Packtieren ab. Zufrieden beobachtete Delaya dies, denn in der Tat war das Salz, welches die Säcke enthielten ausgezeichnet und die Körner, welche sie probierte, hatten genau den richtigen Geschmack. Aber dennoch: Das Misstrauen blieb als sie den Händler ansah. „Ihr habt vorzügliche Waren, wie mir scheint. Doch sagt bitte, was wir euch für diese Säcke schulden.“ Wieder huschten ihre dunklen, mandelförmigen Augen über das Gesicht des Händlers und wieder hatte ihre Stimme einen sanften und verführerischen Klang, der so gar nicht zum Inhalt der Frage zu passen schien. Schwer rang der Händler nach Luft, als er über eine Antwort nachsann. Wieder und wieder huschte sein Blick abwechselnd von der Hüfte der Elfe, wo er den Goldsack wußte, zum Gesicht der Elfe, und schließlich siegte das Lächeln. „Es wird wohl… nun.. ähm die Säcke werden wohl.. ähm.. um die 2.000 Goldstücke wert sein.“ Mit leicht nervöser Miene blickte er Delaya nun an, während sie den schon bekannten Beutel hervorzog und das gewünschte Gold – der Preis schien ihr angemessen zu sein – abzählte und ihm hinüberreichte. Es war nicht einmal die Hälfte dessen, was ihr Beutel enthielt. Das gierige Glitzern in den Augen des Mannes war verschwunden, während er Delaya betrachtete, und er schien geradezu verträumt zu wirken, so dass sich die Elfen schnell den Handel hinter sich brachten und alle Säcke verluden. Wenig später, hatten sie es auch geschafft und Delaya wandte sich ein letztes Mal dem Händler zu. „Lebt wohl, Tala. Sollten wir wieder einmal etwas brauchen, so werden wir euch wieder aufsuchen.“ Sie lächelte noch einmal verschmitzt und wandte sich dann den anderen zu, welche mit den schwer bepackten Pferden schon warteten. Der Händler unterdessen hob langsam den Arm und winkte den Elfen nach, die dem Weg folgend langsam aus seinem Blickfeld verschwanden.
Es war wohl an die 5 Minuten später, als sich der Händler schließlich mit seinem verdutzten Gehilfen wieder zu seinem Stall befand, um die Packtiere einzustellen. Sein leises Murmeln dabei verwunderte seinen Gehilfen nicht wenig, doch wagte er nicht zu fragen, warum der Meister die Säcke statt für den überhöhten Preis für nur wenig mehr als den Einkaufspreis abgegeben habe. Dieser schien es ja selbst nicht zu verstehen, ärgerte er sich doch ohne Unterbrechung, während sie durch die Straßen gingen. „Verflixt. Warum habe ich nur… Dabei hatte sie doch soviel Gold… Oh ich Esel..“  Selbst als die Packtiere längst eingestellt waren, ärgerte sich der Meister immer noch über seinen eigenen Fehler.

PferdewagenEinige Meilen weiter war die Stimmung weitaus angenehmer. Zufrieden packten einige die Elfen die schweren Säcke von den Pferden, füllten einiges um und erstauten alles, während andere sich um die Pferde kümmerten, welche für heute ihren Teil der Arbeit erfüllt hatten. Delaya selbst nutze die Zeit, um sich zu den andren Elfen an eines der schwach glimmenden Feuer zu setzen und den Geschichten der wenigen Alten, die überlebt hatten zu lauschen. Und während sie lauschte erschienen durch die Erzähler die Bilder aus alter Zeit so vor ihren Augen als wären sie noch real. Lächelnd lauschte sie den Worten bis ihr schließlich die Augen zufielen und sie in einen angenehmen Schlummer fiel.

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15:04 25.01.2009

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